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14. Wushu-Weltmeisterschaft in Kazan: Soviel Aufwand...

Auf diesem Bild sehen wir Lisa anlässlich der Schweizer Meisterschaft 2004. Sie war damals 11 Jahre alt.
Auch wegen Talenten wie Lisa wurde uns klar, dass wir separate Talentgruppen benötigen. 2005 war es soweit und sie mit dabei in der 1. Fördergruppe der Wushu Akademie Schweiz.
Ein erster grossartiger Erfolg war nur schon die Teilnahme an der Wushu-Weltmeisterschaft in Beijing 2007, wo Lisa die jüngste Teilnehmerin in der Elite war.
So präsentiert sich Lisa heute, wie jüngst am 3. Qualifikationsturnier zur Schweizer Meisterschaft 2017 in Biel. Jiayou!

...für letztlich zu wenig Ertrag. Lisa leider ohne Fortune.

Die 14. Wushu-Weltmeisterschaften in Kazan gingen gestern zu Ende. Alle Resultate und Links zu den Videos finden sich auf dieser Homepage:

http://14wwc.iwuf.org/

Für uns im Vordergrund standen natürlich die Leistungen von Lisa Derendinger, welche in drei Kategorien am Start war. Sie hatte sich für diesen Wettkampf viel vorgenommen, viel Aufwand betrieben, jedenfalls so viel, wie es in der Schweiz, neben ihrem neuen Beruf als Primarlehrerin, eben möglich ist und muss nun konstatieren, dass der Ertrag - leider - eher unter den Erwartungen ausfiel. Hier jedoch zunächst einmal ihre Resultate:

KategorieNoteRang
Changquan (Faust)8.8028
Qiangshu (Speer)8.7813
Jianshu (Schwert)8.4214

 

Nun könnte man hier die Berichterstattung abschliessen und sagen: "Schwamm drüber." oder aber für den geneigten Leser noch einige Details ausführen, was ich nachfolgend selbstverständlich tun werde. Denn enttäuschend waren weniger die Rangierungen, weil in gewissen Kategorien (wie z.B. Schwert) hätte selbst eine um 0.5 höhere Note nur unwesentliche Rangverschiebungen nach sich gezogen (im Schwert von 14 auf 12). Enttäuscht haben wohl vor allem die Noten. Denn Lisa hat ganz klar die Fähigkeiten, 9er-Noten zu erreichen.

Sie hat in der Vorbereitung vieles richtig gemacht. Dem Training mit Zhangshuai, der ehemaligen Wushu-Professional aus China, in diesem Frühjahr ist sie mit aller Konsequenz gefolgt und hat selbst intensive Sessions ausgehalten. Sie hat mit Zhangshuai alle drei Formen z.T. wesentlich umgestaltet und sie hat, was nicht jede Athletin in der Schweiz gekonnt hätte, den Schwierigkeitsgrad erhöht (in jeder Form fand sich zum Schluss ein Sprung mit einer 540er-Drehung). In der Vorbereitung war also vieles gut, wenn auch nicht perfekt.

Im Wettkampf selber hat sich bei Männern und Frauen gezeigt, was schon seit einigen Jahren die Norm ist: In der A- und der C-Note, d.h. der technischen Note und der Note für die Schwierigkeitsgrade braucht es die Höchstnoten (also 5.0 und 2.0). Dann hat man Chancen für die ersten 10, allenfalls 15, wenn es sich um eine grosse Kategorie handelt wie Changquan. Im Changquan hatte Lisa meinen Informationen zufolge jedoch ein A-Note von 4.8 und eine C-Note von 1.7. Besonders schmerzt da, dass sie in der C-Note den schwierigen Sprung stand und den Abzug von 0.3 für ein C-Teil bekam, das sonst keine unüberwindliche Hürde für sie darstellt. Eine A-Note von 5.0 war schwierig, aber nicht unmöglich. Das hat sie an einer EM auch schon geschafft.

Dafür braucht es aber einfach auch national eine grosse Konstanz, am besten über Jahre. Allerdings war dafür die Zeit seit ihrem Wiedereinstig allenfalls doch zu kurz. Um diese erwähnte Konstanz auf hohem Niveau erreichen zu können, müsste man in der Lage sein, jede Woche nochmals ein paar Stunden Training drauf zu legen, was mit zunehmendem Alter einer Athletin/eines Athleten, gerade in der Schweiz, schwierig wird.

Wohin eine A-Note von 5.0 und eine 2.0 bei der C-Note führen kann, zeigte Lisas Teamkamerad Sami Ben Mahmoud, der seit Jahren in der Schweiz an fast jedem Wettkampf eine 2.0 in der C-Note erzielt. Die A-Note war jeweils tiefer, aber wir alle wussten, dass in der Schweiz die A-Note, auch aus technischen Gründen, jeweils eher zu tief als zu hoch liegt. So erreichte Sami dieses Resultat (Höchstnoten bei A und C, somit 7.0) auch an der WM und danach kommt es "nur" noch auf die B-Note, die Gesamtnote an, in der er im Nanquan die für eine Weltmeisterschaft hohe Note von 2.53 erhielt. Daraus resultierte eine 9.53, der 14. Rang (von 50!) und damit das wohl wertvollste je von einem Schweizer Wushu-Athleten an einer Weltmeisterschaft erzielte Resultat (ich weiss, er wurde danach im Nandao sogar 13., insofern war dieses Resultat rangmässig besser; aber die Kategorie war wesentlich kleiner).

Bei Lisa kam dann zum Schluss im Schwert, wo wir uns, nebst dem Changquan noch am ehesten Chancen auf eine hohe Note ausgerechnet haben, eine uns bis heute unerklärlich tiefe A-Note (man kann ja die Formen im Internet nachschauen). Und wenn es selbst dort nicht mehr klappt, wo man die eigenen Stärken hat, dann wird es erst recht schwierig. Wo hat es noch gefehlt? In der B-Note, welche die Gesamtleistung einer Athletin wiedergeben soll. Kraft und Geschwindigkeit sind in dieser Note zentrale Elemente. Dort sich an die Weltspitze annähern kann man nur, wenn man im physischen Bereich soviel arbeitet wie die Asiate (wo eben viele dem Wushu als Profi nachgehen). Denn diese Bereiche haben viel mit den vorhandenen zeitlichen Ressourcen zu tun.

Europäisch ist Lisa weiterhin ganz vorne dabei, aber international ist Europa im Wushu nicht das Mass der Dinge. Schauen wir uns dafür einmal das Länderklassement im Changquan der Frauen an (vom 1. Rang beginnend bis Rang 15): China, Hongkong, Macau, Japan, Indonesien, Vietnam, Korea, Kanada, Macau, Iran, Japan, Singapur, Malaysia, Hongkong, USA. Die erste Europäerin war auf Rang 16 eine Ukrainerin, später folgte eine Französin und danach kam Lisa.

Abschliessend möchte ich aber gerne wiederholen, was ich auch Lisa mitgeteilt habe: Ich bin stolz, wie sie sich da präsentiert hat, im Haifischbecken der Weltelite. Sie hat in zwei von drei Formen ihre schwierigen Sprünge gestanden. Sie hat zeigen können, dass selbst in der kleinen Schweiz gutes Wushu trainiert wird. Natürlich wäre es toll gewesen, wenn sie die eine oder andere 9er-Note geholt hätte. Aber wir alle konnten sehen, dass Lisa immer noch Potenzial hat. Ob wir noch dazu kommen, das auszuloten? Das wird Lisa zu gegebener Zeit entscheiden. Aber nun soll sie sich erst Mal von den Strapazen erholen. Ich wünsche ihr jetzt schöne Herbstferien.

PS: Leider habe ich keine Fotos von der WM. So lasse ich zur Illustration einfach die Archivfotos von Lisa stehen.

 

 

 

So präsentiert sich Lisa heute, wie jüngst am 3. Qualifikationsturnier zur Schweizer Meisterschaft 2017 in Biel. Jiayou!