Wushu Akademie Schweiz
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Lisa Derendinger gewinnt EM-Bronze im Speer

Schweizer EM-Team holt insgesamt neun Medaillen!

Man sollte nicht denken, es sei schon bald normal, dass Lisa immer mit einer Medaille von einer EM zurückkommt: Aber, naja, auch dieses Mal hat es gereicht. Sie gewann die Bronzemedaille mit dem Speer! Herzliche Gratulation.
Sheryl hat zum ersten Mal mit den Formen des 3. Sets an Europameisterschaften teilgenommen. Sie war nicht zufrieden mit ihren Leistungen, was kein schlechtes Zeichen ist. Aber wir Trainer wussten, dass die schwierigen Sprünge noch nicht stabil genug waren und Sheryl dort patzen könnte. Dem war leider so, aber der ganze Rest war bereits vielversprechend. Die Sprünge werden schon noch reifen.
Für Samara war es mental schwierig: Sie wusste erst in Moskau, dass in ihrer Kategorie alle anderen die schwierigen Formen des 3. Sets zeigen würden, während sie noch mit den "alten" Formen des 1. Sets antreten würden. Aber sie hat dort gezeigt, was sie kann. Niemand hat von ihr Spitzenplätze erwartet, sondern gehofft, sie könne wichtige Erfahrungen für die Zukunft sammeln. Das war sicher so.

Die Wushu-Europameisterschaften in Moskau sind Geschichte. Das Schweizer Team holte dabei neun Medaillen (5xSilber und 4xBronze). Die wertvollste Medaille dürfte wohl die Silbermedaille des Teamleaders Sami Ben Mahmoud im Nanquan gewesen sein (nur 0.04 Rückstand auf den Sieger; 14 Teilnehmende).

Aus der Wushu Akademie Schweiz haben drei Frauen teilgenommen: Lisa Derendinger in der Elite und Sheryl Kasper sowie Samara Boxler bei den ältesten Juniorinnen. Lisa hat an Europameisterschaften schon einige Medaillen gewonnen. Deshalb waren wir bei ihr besonders gespannt. Die wenigen Wettkämpferinnen, welche in Europa noch Wushu auf einem Spitzenlevel machen (im Changquang, der Königsdisziplin waren es bei der Elite nur sieben Athletinnen), sind dann aber meistens gut bis sehr gut, d.h. es gibt nicht mehr viele, sagen wir es mal so, unterdurchschnittliche oder gar schwache Athletinnen. Und Lisa, eine der wenigen, welche in der Lage ist, einen Xuan Xeng Jiao 540° wirklich sauber und sicher zu springen und vor allem auch zu landen, patzte ausgerechnet bei diesem Paradesprung (der Sprung wurde u.U. gar als Sturz gewertet). So wurde aus der dort durchaus möglichen Medaille leider "nur" ein fünfter Platz.

Auch im Schwert, obwohl sie dort ihren Paradesprung sauber stand, reichte es noch nicht zu den Medaillen (es fehlten 16 Hundertstel). Unglückliches Detail: Lisa trug keinen Gurt, wie sie das in der Vergangenheit schon oft gemacht hat und wie es manchmal auch andere Athletinnen tun. Diesmal kam der Hauptschiedsrichter nach der Form zu ihr und fragte nach dem Gurt. Zudem wies er sie darauf hin, dass sie einen Gurt benötige. So führte dies zu einem Abzug in unbekannter Höhe. Bei 16 Hundertstel kann dies entscheidend gewesen sein. Noch dies: Der gleiche Schiedsrichter war auch am Vortag schon Hauptschiedsrichter im Changquan, wo er Lisa noch keinen Abzug für den Gurt machte. Jaja, so läuft das leider im Wushu auf internationaler Ebene. Noch schlimmer: Bei der vor dem Wettkampf stattfindenden Kontrolle der Ausrüstung und der Bekleidung gab es keine Beanstandung und im Reglement findet sich kein Hinweis, dass hier danach ein Abzug zu erfolgen hat. Man kann es höchstens so interpretieren, dass sie ohne Gurt allenfalls gar nicht hätte starten dürfte. Es gibt im Reglement auch keinen Hinweis darauf, dass die AthletInnen nur ein Schuhmodell tragen dürfen. Trotzdem wird ihnen seit Jahren vorgeschrieben, welche Schuhe sie tragen müssen (es ist, wen wundert es, ein Schuhmodell aus Russland).

Lisa zeigt allerdings, nach so vielen Jahren auf dem Wettkampf-Teppich nicht verwunderlich, dass sie mittlerweile in der Lage ist, solche Rückschläge wegzustecken. Im Speer klappte es dann doch noch mit der Medaille: Bronze. Auch wenn sie sich wohl eine grössere Ausbeute erhofft hätte, haben wir uns hier sehr gefreut. Herzliche Gratulation, Lisa!

Sheryl und Samara reisten mit unterschiedlichen Erwartungen an: Für Samara war es die erste Europameisterschaft. Für sie ging es zunächst darum, Erfahrungen zu sammeln. Zudem trat sie als Einzige noch mit den Formen des 1. Sets an, während all ihre Gegnerinnen bereits mit den Formen des 3. Sets antraten (das 2. Set wird kaum noch verwendet). Bei der Anmeldung kann man das nicht wissen: Hätte es genügend Athletinnen mit der 1. Form gehabt, so wäre sicherlich eine solche Kategorie gebildet worden. Nun wissen wir: JuniorInnen in diesem Alter treten in der Zukunft nur mit den Formen des 3. Sets an. Aber Samara zeigte unter den Umständen sicherlich in etwa das, was man erwarten konnte. Für sie waren das auf jeden Fall wichtige Erfahrungen.

Sheryl hingegen, welche bereits an einer EM teilgenommen hatte, hoffte sicherlich auf bessere Klassierungen, als sie sie dann erreichte. Das war natürlich schade, aber auch erklärbar. Die Formen des 3. Sets verlangen von den JuniorInnen bereits Sprünge auf einem hohen Niveau (und diese sind zentral): Sprung in Spagat und Erqijiao-freies Rad-Kombination sowie freie Räder mit den Waffen. Für junge Frauen, die oftmals weniger starke Springer sind als die Jungs, kann das eine sehr grosse Herausforderung werden. Bei Sheryl hat schlicht die Zeit nicht mehr gereicht: Sie schaffte zwar relativ kurz vor der EM die meisten dieser Sprünge einzeln, aber diese in der Form zu zeigen, hat nochmals eine andere Qualität. Dafür braucht es danach meistens noch ein paar Monate und dafür fehlte die Zeit. So gelang ihr lediglich das freie Rad mit dem Speer. Aber diese Erfahrung wird sie als Athletin reifen lassen. Zudem hat sie ganz klar das Potential, diese Sprünge dereinst alle sicher zu stehen.

Insgesamt ist mir aufgefallen, dass andere Athletinnen (nicht zum ersten Mal) technisch nicht stärker, aber einfach wilder, auch mal schneller sind. Selbst wenn unter dem Tempo dann die Genauigkeit leidet, werden sie weiter vorne platziert. Andere Athletinnen sind z.T. auch noch kräftiger. Da kann man nur vermuten (von einigen Konkurrentinnen wissen wir es auch), dass ihr Trainingsaufwand zeitlich höher ist, als bei unseren Athletinnen, die ja alle so um die 10 Stunden pro Woche trainieren.

Ich bedaure persönlich sehr, dass die wirklich grossen Kategorien an Europameisterschaften im Gegensatz zu vor vielleicht 20 oder mehr Jahren passé zu sein scheinen. Da fragt man sich langsam, wer denn in Europa noch Spitzen-Wushu macht. Man könnte, apokalyptisch, sogar fragen: Was passiert mit dem Wushu in Europa? Wir müssen dazu nicht einmal über die Grenzen schauen, denn auch in der Schweiz entwickelt es sich leider nicht wie gewünscht...

(Bilder vom Wettkampf habe ich leider keine; so mussten wir uns mit Archivbildern behelfen).

So präsentiert sich Lisa heute, wie jüngst am 3. Qualifikationsturnier zur Schweizer Meisterschaft 2017 in Biel. Jiayou!