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Scouting Chinareise 2021: Xiapu, ein Königreich für Fotografen!

Während vier Tagen im Rhythmus der Sonne

Kaum in Xiapu angekommen, machten wir uns bereits an den 1. Sonnenuntergang und wählten dazu die Xiaqingshan-Brücke. Auch wenn sich die Sonne etwas zierte, waren natürlich die Wolken sehr hilfreich.
Offenbar einer der schönsten Orte für den Sonnenaufgang: Huazhuncun. Allerdings liessen uns die Wolken nicht viel Hoffnung.
Riesige Flächen waren mit Installationen für die Seafood-Industrie überzogen und glänzten zart im schwachen Morgenlicht.
Ein Boot kriegte die ersten Strahlen des jungen Morgens ab.
Dann verschwand die Sonne wieder, bis sie ein Loch in der Wolkendecke fand und dieses Gold aufs Wasser zauberte.
Herrlicher Sonnenfleck nahe herangeholt!
Hier nun, wie im Text beschrieben, das berühmte Wasserbüffelbild unter dem Banyanbaum in Yangjiaxicun.
Der nächste Sonnenuntergang, hier von der Dongbi-Brücke aus fotografiert. Als hätten sich die Boote dazu hier im letzten Sonnenlicht verabredet.
Wiederum irgendwelche Installationen, von denen wir nicht wussten, zu welchem Zweck genau sie dort waren. Aber ein tolles Fotosujet waren sie allenthalben.
Dieser Abschnitt wird Mantoushan genannt. Shan ist ein Berg und Mantou ist ein bekanntes, sagen wir mal, Frühstücksbrot der Chinesen. Zum Mantoushan führt eine Strasse, die nur bei Ebbe begangen werden kann. Bei Flut ist sie nicht sichtbar. Das Bild ist eine Langzeitbelichtung vor dem Sonnenaufgang.
Der Sonnenaufgang wollte also wieder nicht recht, hatte aber trotzdem seinen Reiz.
Dann fand sie später doch wieder einmal ein Loch in der Wolkendecke, aber das ganz schöne Gold war weg.
Dongancun ist ein schwimmendes Dorf mit Häusern, einem Supermarkt, einem Restaurant und sogar einem Hotel. Die Leute haben an sich alles, was sie zum Leben benötigen, vom Land aufs Wasser gezügelt.
Das ist nur ein Teil des gesamten schwimmenden Komplexes.
Die Familien hier leben vor allem von der Zucht eines speziellen Fisches, der in entsprechenden Zuchtbehältern grossgezogen wird.
Schier endlos breitet sich Dongancun aus. Gemäss unserem Guide hätten die Familien auch Häuser an Land, aber sie würden es vorziehen, auf dem Wasser zu leben.
Man möchte gar nicht wissen, was da alles im Meer herumschwimmt.
Weijiangcun ist bekannt für die vielen langen Stöcke, welche im Meeresboden verankert sind. Diese dienen zum Aufhängen der Austern, damit man sie trocknen kann. Die nachfolgenden Bilder stammen alle von dort und spielten mit verschiedenen Effekten (Panorama, Weichzeichnung, Schwarzweiss etc.).
Am 3. Tag war es so weit: Auf dem Dach des höchsten Gebäudes stehend, hatten wir eine wunderbare Übersicht über den ganzen Abschnitt von Shajiang, der nur S-Bay genannt wird, zufolge seiner wunderschönen S-Zeichnung des Kanals im linken Teil des Bildes.
Die Flut ist wieder am Steigen und der Kanal wird nicht mehr lange so schön freigestellt sein.
Danach stiegen wir ins Dorf hinab und fanden dort eine Frau, welche, es war bereits 18.00 Uhr und stockdunkel, gerade eben begonnen hatte, einen grossen Haufen Austern zu öffnen und das Fleisch in den Behälter zu geben.
Die Sonnenaufgänge wollten irgendwie nicht recht klappen. Am 26. Oktober, also heute, fand er sichtbar gar nicht statt. Zu stark war die Bewölkung. Die Reisegruppe hier im Bild hatte allerdings Statisten gebucht, die das Fischerleben möglichst fotogen inszenieren sollten. Da ist der Sonnenaufgang nur noch Nebensache. Die ganze Inszenierung bot viel guten Stoff für uns. So fotografierten wir anstelle eines Sonnenaufgangs diese ganze Szenerie.
Dann ging es ab zu den Mangroven von Ewan. Aber auch hier sahen wir wenig später eine Inszenierung der örtlichen Gruppe (ich hätte sie beinahe 'Ballenberg-Gruppe' genannt).
Hier zeigt der Fischer, wie man das Netz auswerfen sollte.
Diese Rundnetze seien früher in Nanwen für die Krabbenfischerei verwendet worden. Heute allerdings sind sie nur noch ein Relikt aus vergangener Zeit und damit eine Kunst-Installation.
Bei diesem Bild, welches mit dem vorhergehenden fast identisch ist, habe ich versucht, alles weich zu halten. U.a. wurde dazu eine Langzeitaufnahme mit über 3 Min. Dauer gemacht. Den Fischer konnte ich deshalb erst nachträglich aufnehmen, so dass ich beide Bilder übereinanderlegen und den Fischer scharf ins Bild kriegen konnte.

Nach unserem Abstecher an die Weltmeisterschaften in Shanghai, nahmen wir den Hochgeschwindigkeitszug von Shanghai nach Xiapu, ca. 500 km Luftlinie südlicher. Xiapu hat eine Fläche von lediglich gut 1'700 km2, mit einer allerdings sehr langen und komplizierten Küstenlinie mit zahlreichen Inseln. Xiapu ist vor allem bekannt für seine Meeresfrüchte-Industrie wie Crevetten, Krabben, Seetang, Seegras, Austern etc.

Das Meer dort erinnert ein Stück weit an das Wattenmeer der Nordsee. Es ist ebenfalls sehr flach und grosse Teile davon fallen bei Ebbe trocken. So gibt es Inseln, die dann erreichbar sind (z.T. sogar über Strassen, welche sonst von Wasser bedeckt sind). Durch die komplizierte Küstenlinie sind die Anfahrstrecken zu den einzelnen Dörfern z.T. lang.

Die Menschen hier, welche noch von dieser Industrie leben, passen ihren Lebensrhythmus demjenigen des Meeres an. Sie sind damit oft in der Nacht unterwegs und verkaufen die Produkte morgens sehr früh an Händler. Wir trafen eine Frau bei Nacht, welche einen grossen Haufen Austern öffnete und das Fleisch rauskratzte. Am nächsten Morgen um 4.00 Uhr hole ein Händler die Ware ab.

Zunehmend wurde diese Gegend aber auch von Fotografen entdeckt, welche den Liebreiz der Landschaft zusammen mit den Installationen der Bevölkerung am und im Meer (Stöcke, Netze, Gestelle, riesige Schwimmflosse etc.) auf ihre Fotos bannten. Für die Olympiade 2008 wurde das Gebiet von Shajiang mit der S-Kurve (siehe Bilder) in den Film der Eröffnungsfeier eingebaut. Seither ist ein regelrechter Boom um dieses Gebiet entstanden. Allerdings, das muss ich nun nach vier Tagen hier zugeben, es ist, jedenfalls in dieser Ausführlichkeit, wirklich vor allem für Fotografiebegeisterte eine überaus lohnenswerte Destination. Jeden Tag zwischen 3 und 4 Uhr aufstehen, um an den Sonnenaufgang zu fahren, ist nicht jedermanns Sache. Und natürlich braucht es schon auch eine gewisse Grundausrüstung.

Wie auch immer: Für uns war es eine tolle Zeit. Uns hat die Gegend definitiv begeistert. Viel dazu beigetragen hat auch unser toller Guide, Chen Li, der uns mit viel Ortskenntnis stets zu richtigen Zeit an den richtigen Ort brachte. Wir fahren nun weiter nach Nanjing in der Nähe vieler Tulous (wörtlich: Erdhäuser; mehrstöckige Rundhäuser), welche wir uns dann morgen ansehen werden.

Anmerkung zum Schluss: Wir haben hier auch noch so etwas wie eine Xiapu-Version des schweizerischen Ballenbergs entdeckt. Gewisse Dinge existieren so nicht mehr und werden von den Einheimischen nur noch inszeniert. Das krasseste Beispiel (siehe Bilder) ist die Szene mit dem Wasserbüffel: Wann immer man sich im Internet über die Gegend kundig macht, findet man faszinierende Bilder mit einem Bauern und seinem Büffel unter einem Banyan-Baum. Die Bilder sind so, dass man sich vorstellt, der Fotograf habe viele Anläufe gebraucht, um das Licht genauso hinzukriegen. Weit gefehlt: Die Bauern sind eben schlau. Der Baum ist immer derselbe und für ein paar Yuan läuft einer von ihnen mit dem Büffel unter dem Baum durch. Die so spezielle Lichtsituation erzeugen die Bauern ganz einfach: mit Rauch. Immerhin, der Mensch hinter der Kamera muss den Moment doch noch einfangen und ihn entsprechend auf dem PC entwickeln können. Wenigstens das noch. Aber wir haben herzhaft gelacht, als wir das sahen.

Viel Spass mit den Fotos, die von insgesamt elf einzelnen Destinationen im Bezirk Xiapu stammen.

Kaum in Xiapu angekommen, machten wir uns bereits an den 1. Sonnenuntergang und wählten dazu die Xiaqingshan-Brücke. Auch wenn sich die Sonne etwas zierte, waren natürlich die Wolken sehr hilfreich.